Karoshi
Karoshi - Arbeitssucht, die zum Tode führt. So bezeichnen Japaner diese Krankheit. Eine Forschungsgruppe der Universität Bremen hält Arbeitssucht für ein gefährliches Massenphänomen.
Die Todesursache seien bei 147 Arbeitern Schlaganfall oder Herzinfarkt. 819 Berufstätige seien nach eigenen Angaben wegen Überlastung am Arbeitsplatz psychisch krank geworden, teilte das japanische Ministerium mit . In 176 Fällen hätten Menschen sich wegen Stress am Arbeitsplatz umgebracht oder einen Suizidversuch unternommen.
Die REgierung in Tokio wirbt für Telearbeit, um gegen die chronische Überarbeitung der Angestellten anzukämpfen. Die Berufstätigen werden motiviert, Urlaub zu nehmen, wenn sie eine Familie gründen oder sich um ältere Angehörige kümmern wollten. Kritiker verweisen darauf, dass neue Mitarbeiter es aber nur selten wagen, sich gegen Überforderung zu wehren. Japan hat eine der höchsten Selbstmordraten der Welt.
Rund 25 Prozent der Manager und Freiberufler gelten als krankhaft arbeitssüchtig. Die Dunkelziffer ist hoch, denn hart arbeitende Menschen werden bewundert.
Doch suchen Unternehmen nicht alle ehrgeizige Führungskräfte und engagierte Mitarbeiter? Es gilt zu überprüfen, wann aus Ehrgeiz Arbeitssucht wird und schließlich die effektive Arbeit völlig auf der Strecke bleibt.
Wie kommt es zu Arbeitssucht?
Vergessen wir einmal Erklärungsansätze, die von Prägungen in der Kindheit ausgehen. Betrachten wir den so genannten "normalen" Menschen. Dieser unterhält neben seiner Arbeit selbstverständlich soziale Kontakte und sieht die Arbeit als Möglichkeit, Geld zu verdienen.
Der Arbeitssüchtige hingegen findet seinen wahren Lebensinhalt ausschließlich in der Arbeit.
Workaholics arbeiten nicht aus Lust an der Arbeit, sondern aus einem inneren Zwang heraus. Oftmals handelt es sich um Flucht oder eine Abwehrhaltung. Eher wird den Kollegen unterstellt, dass sie nicht ordentlich arbeiten, als das eigene Verhalten hinterfragt.
Schritt für Schritt in die Sucht
Was als Ehrgeiz, überdurchschnittlicher Einsatz oder "Vorbild" für Kollegen beginnt, kann in Krankheit und Sucht enden. Dem Unternehmen wird letztlich dadurch mehr geschadet als genutzt.
Denn irgendwann bleibt die Arbeitseffektivität (oder besser: die Arbeitsressource Mensch selbst) auf der Strecke. Man unterscheidet 4 Phasen:
1. Einleitungsphase:
- Ihre Gedanken kreisen immer häufiger um die Arbeit?
- Sie vernachlässigen Ihre Familie, Bekannten und Freunde?
- Ihr soziales Netz schrumpft?
- Haben Sie Schuldgefühle, weil Sie zu viel arbeiten?
2. Kritische Phase:
- Sie sind ungeduldiger und aggressiver?
- Sie haben zahlreiche Ausreden für Ihr Zu-viel-Arbeiten?
- Alle anderen Lebensbereiche sind Ihrer Arbeit untergeordnet?
- Sie können nicht mehr Nein sagen, stellen unzählig viele To-do-Listen auf?
3. Chronische Phase:
- Ihre Energie ziehen Sie ausschließlich aus der Arbeit?
- Sie reißen alle Arbeit aus falsch verstandenem Perfektionismus an sich?
- Andere Lebensbereiche zählen für Sie gar nicht mehr?
- Sie sind körperlich erschöpft, haben Phasen von Apathie?
4. Endphase:
- Sie arbeiten nur noch? Aber richtige Leistung bringen Sie nicht mehr?
- Sie leiden an Krankheiten bzw. Stresssymptomen wie Kopfschmerzen, hohem Blut-druck, Magengeschwüren, Depressionen?
- Ihre Leistungskurve ist abgeknickt?
- Sie sind emotional "gestorben"?
Die Folgen
Arbeiten bis zum Umfallen hat natürlich Konsequenzen: Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Ängste und körperliche Beschwerden (Magenschmerzen, Kreislaufstörungen etc.) Diese Beeinträchtigungen werden in der Anfangsphase oftmals durch Hyperaktivität überspielt. Dabei handelt es sich zunächst "nur" um Konsequenzen, die Sie fürs Erste selbst aushalten müssen. Doch später stellt sich die Frage nach der Familie bzw. Partnerschaft: Wie sehr leiden diese darunter, wenn Sie am Wochenende völlig zusammenbrechen, zu müde sind, um aufzustehen, verbraucht sind?
Bin ich schon betroffen?
Testen Sie, ob Sie einfach nur ehrgeizig oder bereits ein Workaholic sind: Wir haben in der Checkliste "Karoshi - Gehören Sie zu den Erfolgreichen oder Arbeitssüchtigen?" (pdf), einige Fragen aus verschiedensten Quellen zusammengetragen, mit deren Hilfe Sie Ihr eigenes Verhalten selbstkritischen überprüfen können.
Weitere Informationen
Quellen:
- AAS - Anonyme Arbeitssüchtige. Selbsthilfegruppe für Menschen mit Arbeitsproblemen oder Arbeitssucht
- Workaholic - die Sucht nach der Arbeit.
- Arbeitssucht - erkennen und in den Griff bekommen. Der Begriff "Workaholic" stammt aus dem Englischen und beschreibt in Anlehnung an den Begriff der Alkoholiker Menschen, die so viel arbeiten, dass man von "Arbeitssucht" sprechen kann.
Buchtipp:
- von Münchhausen, Marco: Wo die Seele auftankt. Die besten Möglichkeiten Ihre Ressourcen zu aktivieren.
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