Burn-Out

Feuer frißt Körper und Seele auf

Mir graut vor jedem Arbeitstag. Der Montag ist am schlimmsten. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalten kann (Aussage eines Einkaufsleiters in einem deutschen Konzern). Ich weiß nicht mehr weiter. Ich kann nicht mehr (Schlusssätze eines Marketingleiters, internationaler Konzern).

Burnout: wer ist gefährdet? Ist das die Negativvariante eines Workaholic? Der ja durchaus genug Sympathisanten in unserem gesellschaftlichen System findet. Burnout hört sich hingegen wie eine ansteckende Krankheit an. Nicht umsonst bestätigen die Personalmanager unisono, dass das das Unwort schlechthin sei. Burnout gibt es nicht im Unternehmen bzw. hat es nicht zu geben und wenn, dann trifft es eben einen „Schwächling“.

Prinzipiell kann jeder an Burnout erkranken - ob Top-Manager oder Hausfrau. Denn die Ursachen liegen nicht nur im beruflichen Umfeld, auch familiäre Belastungen können ausschlaggeben sein.

Das Burnout-Syndrom ist eine Erscheinung unserer schnelllebigen Zeit:

Erschöpfung,

Kraftlosigkeit,

Ausgebrannt sein

Übersetzt heißt der Begriff so viel wie „Ausbrennen“ und ist kein neues Phänomen. Der Begriff tauchte erstmals Mitte der 70er auf und schon damals schätzten Experten, dass 10 bis 15 Prozent der Erwerbstätigen einmal von Burnout betroffen waren.

Früher wurde Burnout auch als das"Stress-Syndrom der helfenden Berufe" beschrieben. Dass heute mehr darüber bekannt ist, liegt mitunter an den Medien und prominenten Beispielen. Allerdings gibt es auch jetzt keine verlässlichen Zahlen.

Burnout ist ein schwer fassbarer Begriff und zeigt sich in vieler Hinsicht und mit einigen Symptomen. Mehr als 130 verschiedene Anzeichen gibt es für das Phänomen. Es herrscht ein Gefühl der inneren Leere, des Ausgebranntseins mit emotionaler Erschöpfung gekoppelt mit einem Leugnen der eigenen Bedürfnisse.

Es handelt sich um einen schleichenden Prozess. Betroffen sind der Körper ebenso wie die Seele. Und wenn die Betroffenen nicht auf ihre innere Stimme hören wollen, dann meldet sich der Körper und verhilft sich zu seinem Recht nach Erholung.

Ursachen

Wer ausgebrannt ist, muss einmal gebrannt haben

In der Tat: Feuer als solches ist nicht nur negativ belegt. Agni zum Beispiel (Gott des Feuers) ist im Hinduismus die Feuerform des Göttlichen. Nocht heute spielt er im Glaubensleben der Hindus eine wichtige Rolle: Zu Anlässen, besonders wenn es um Reinigungszeremonien wie Einweihung von Wohnungen, Geschäften oder dergleichen geht, entzündet der Priester rituell das heilige Feuer.

Die Elementen Feuer und Wasser, treten dem Menschen grundsätzlich ambivalent gegenüber. Sie können ihm also gleichzeitig Freund und Feind sein, ihm helfen oder ihn vernichten.

Feuer als solches steht gerne für Leidenschaft und Impulsivität. Der Begriff Brand / Verbrennen hat dagegen meist eine negative, unkontrollierte Assoziation.

Wer also ausgebrannt ist, muss einmal gebrannt haben.

Was kann zum Burnout führen?

Allgemeingültig könnte man sagen: Durch Stress, Druck und nachfolgende Erschöpfung. Und das Fatale: es gibt weder eine Anti-Burnout-Pille noch eine andere Sofortheilung. Mit einmal kürzer treten, ausschlafen oder einem Urlaub ist es hier nicht mehr getan.

Die Krankheit entwickelt sich über einen längeren Zeitraum, schleichend. Aus Leidenschaft und Motivation wird Überengagement und schließlich Überbelastung und andauernder Stress. Phasen der Ruhe oder Entspannung werden nicht mehr eingehalten, Warnsignale des Körpers ignoriert.

Bestimmte persönliche Faktoren "fördern" den Weg in den Burnout:

  • Überhöhte Erwartungen
  • Großer Idealismus
  • Helfersyndrom
  • nicht „Nein sagen“ können
  • mangelnde Stressbewältigungsstrategien
  • hohe Emotionalität
  • labiles Selbstwertgefühl
  • Extremer Perfektionsdrang
  • (sehr) großer Ehrgeiz
  • (übertriebenes?) Verantwortungsbewusstsein
  • „Ich kann / muss alles alleine managen

gepaart mit äußeren Faktoren wie

  • Mehrfachbelastungen und Überforderung oder
  • gleichförmige Routine
  • dauerhafter Stress
  • schlechtes Arbeitsklima
  • Mobbing
  • fehlende soziale Unterstützung
  • fehlendes Feedback
  • wenig Anerkennung
  • Mangel an Autonomie

Es handelt sich in aller Regel um ein Zusammenspiel aus psychischen Faktoren und Belastungen im Job, der ein Entstehen von Burnout begünstigt.

Krankheitsverlauf

Burnout beschreibt nicht nur den Zustand des Ausgebrannt sein sondern den gesamten Prozess des "Ausbrennens".

Burnout schleicht sich langsam aber sicher ins Leben ein. Aus einer Woche der Müdigkeit und Erschöpfung werden zwei... Es gibt die Phasen „zwischendurch“, in denen es den Betroffenen gut geht. Die Wochenenden reichen aber schon lange nicht mehr zur Regenerierung aus.

Der Krankheitsverlauf stellt sich meist wie folgt dar:

  1. Phase: Überaktivität, Aggression und Erschöpfung
    Zuerst sind die Betroffenen überaktiv, arbeiten viel, ob Tag oder Nacht, ob Wochenende oder Ferien. Es entsteht ein Gefühl der Unentbehrlichkeit. Eigene Bedürfnisse werden hintenangestellt. Und irgendwann tritt die Erschöpfung ein. Man kann nicht mehr regenerieren, schafft es nicht mehr auf ein normales Stressniveau.
  2. Phase: Entpersonalisierung und Kontaktvermeidung
    Die Menschen stumpfen ab, empfinden wenig bis keine positiven Gefühle, vermeiden Kontakte. Es findet eine emotionale Distanzierung statt.

  3. Phase: Leistungseinschränkung
    Die Leistung und Motivation geht zurück. Weniger Erfolgsmeldungen durch schlechtes Selbstbewußtsein, weniger Produktivität. Gefühle wie Hilfosigkeit, Verzweiflung und eventl. sogar Depressionen treten in den Vordergrund.
    Das Ende dieser Phase ist die Krankmeldung bis hin zur Kündigung oder gar Berentung.

Es geht darum abzuklären und auf die innere Stimme zu hören:
was brauche ich wirklich?

Und wenn die Stimme nicht hörbar ist? Dann wird der Betroffene lernen, in sich reinzuhören. Er wird sich um seinen Körper kümmern und ihn wie einen guten Freund behandeln. Er wird lernen, nein zu sagen und zu sich und seinen Bedürfnissen stehen.

Er wird sich neue Werte geben und seine Lebensumstände danach ausrichten. Das ist ein Prozess, das vollzieht sich in kleinen Schritten, nicht über Nacht.
Das Unternehmen kann Verhaltenstrainings zur Konfliktfähigkeit anbieten, Anti-Stress-Trainings, Coaching und vieles mehr. Damit wird das Risiko für Burnout im Unternehmen reduziert, die Kreativität und Motivation der MitarbeiterInnen gesteigert, Fehlzeiten gesenkt, die Mitarbeiter identifizieren sich mehr mit dem Unternehmen. Also, auch das Unternehmen profitiert von einer Burnoutprävention zum Beispiel im Rahmen eines gesamten Gesundheitsmanagementansatzes.

Wen kann es treffen?

Schätzungen sagen, es sind etwas 10% aller Arbeitnehmer vom Burnout-Syndrom betroffen. Meist sind es Menschen, die sich stark engagieren, sehr ehrgeizig sind und vorankommen wollen. Hauptursache liegt oftmals in den Erwartungen, die man an seine Arbeit stellt, an der Komplexität der Aufgaben, denen man sich stellen muss.

Mütter zum Beispiel: Morgens ein Kind in den Kindergarten, das andere zur Schule, vielleicht selbst zur Arbeit. Sie kümmern sich um verschiedenste Belange.

Sozialberufe, Berufe in der Medienwelt, Juristen - Menschen, Menschen die sich um die Belange bzw. phsychischen Probleme ihrer Kunden befassen. So ist fast jeder zweite Lehrer in Deutschland aus psychischen Gründen arbeitsunfähig, bevor er in Pension geht.

Man kann sagen: Ein Typus Mensch ist in jedem Fall besonders gefährdet, unabhängig von der Stellung im Unternehmen:

Es ist derjenige, der über einen subjektiv empfunden zu langen Zeitraum seine emotionalen, seelischen oder körperliche Reserven aufgebraucht hat und dies eine gewisse Zeit lang nicht zugeben kann. Es ist derjenige, der sehr engagiert ist, der immer für alle da sein will, der sehr sozial und loyal eingestellt ist, sehr kooperativ. Eine typische Aussage: wenn ich es nicht mache, macht es keiner. Und das Projekt ist für unser Unternehmen (Familie, Verein usw.) sehr wichtig.

Oder: Wenn ich die Zeit nicht dranhänge, dann muss es der Kollege XYZ machen und der hat doch Familie, in seiner Ehe kriselt es sowieso schon, etc…. Beispiele gibt es genug und Argumente noch mehr.

Dieser Mensch überzieht also sein Ressourcenkonto immer mehr. Er lebt über seine Kräfte und bekommt dafür irgendwann die Rechnung präsentiert. Den Betroffenen fehlen oftmals die Energiequelle und Regenerationsmöglichkeiten um auf das normale Stressniveau zu kommen, sich zu entspannen. Das Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung stimmt nicht mehr.

Ja und dann wird er abgeschrieben. Es sei denn auf der Krankschreibung steht Magengeschwür oder Darmgrippe, oder Herzflattern; in keinem Fall „Burnout“.

Symptome

Wie schon gesagt: es gibt kein einheitliches Krankheitsbild. Es handelt sich um eine „Ansammlung von Symptomen“. Körperlicher und / oder psychischer Art, die sich über einen langen Zeitraum entfalten.

Dabei sind die körperlichen Beschwerden Ausdruck der psychischen Belastungen und haben im ersten Schritt keine wirklich organischen Ursachen. Sie entsehen psychosomatisch.

  • Körperliche Signale können sein:
  • Muskelverspannungen
  • Kopfschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden (z.B. Übelkeit, Bauch- oder Magenkrämpfe)
  • Schwindel
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Schlafstörungen
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Herzklopfen
  • Interessenlosigkeit
  • Freudlosigkeit
  • Anzeichen einer Depression

Psychische Anzeichen sind u.a.

  • sinkendes Selbstvertrauen
  • stärkere Verletzlichkeit in Bezug auf Enttäuschungen oder Verluste
  • erhöhte Stressanfälligkeit
  • sinkende Arbeitszufriedenheit
  • Anzeichen einer Depression wie z.B. gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit oder Interessenverlust

Ausgebrannt - was nun?

Erster Schritt ist mit Sicherheit das (An-)Erkennen, dass man ausgebrannt ist. Dass man am Burnout-Syndrom erkrankt ist. Eine Standardtherapie oder die Anti-Burnout-Pille darf man nicht erwarten. Die Heilungschancen steigen allerdings, wenn man die Brandstifter (schnell) ausfindig macht.

Die Frage, die sich stellt: „Will ich so weiterleben?“ Und: „Wie lange glaube ich, dass ich das noch durchhalten kann?“

Es geht darum auf die innere Stimme zu hören: was brauche ich wirklich? Was braucht mein Körper? Was will meine Seele? Wieder von innen nach aussen zu leben und sich nicht von aussen leben lassen.

Neue Werte und seine Lebensumstände danach auszurichten. „Alte“ Verhaltensmuster abzulegen erfordert Mut und Zeit. Ebenso wie der Krankheitsvelauf über eine Zeit geht, so vollzieht sich dieser Prozess in kleinen Schritten, nicht über Nacht.

Dazu gehört meist auch, dass sich Betroffene einer verhaltenstherapeutisch oder tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie unterziehen – entweder ambulant oder stationär in spezialisierten Kliniken.

Eine Therapie kann nur individuell gestaltet sein. Denn die Brandstifter (Was hat zum Ausbruch der Krankheit geführt?) sind je nach Typ anders. An Ansatzpunkten zur Behandlung mangelt es nicht. Sei es auf persönlicher Ebene oder am Arbeitsplatz. An erster Stelle steht jedoch, wieder ein gesundes Maß an Anspannung und Entspannung zu finden, sich seinen Bedürfnisse bewusst werden und vor allem diesen auch nachzugehen.

Links und Literatur

Weitere Informationen

Stress bei Kindern und Jugendlichen
Auch Kinder haben Stress. Ursachen sind zum Beispiel Konkurrenz- und Leistungsdruck in der Schule oder Streit mit Freunden oder in der Familie.

Immer mehr Berufstätige ausgebrannt - von der Hausfrau bis zum Manager - Deutschland im Streß
Stressfaktor Nummer eins ist der Job: Jeder dritte Berufstätige arbeitet am Limit. Hetze und Termindruck sind die Hauptgründe. Zudem leiden viele darunter, via Laptop oder Blackberry rund um die Uhr erreichbar zu sein – insbesondere Führungskräfte.

Das Burnout-Syndrom von Matthias Burisch, Springer Verlag
Theorie der inneren Erschöpfung. Springer-Fachbuch zeigt, wie das Burnout-Phänomen entsteht und wie es bewältigt werden kann.

Karriere statt Burnout von Ruth Enzler Denzler, Orell Füssli
Die Drei-Typen-Strategie der Stressbewältigung für Führungskräfte.

Zeit. Der Stoff, aus dem das Leben ist, Argon Verlag
eine ungewöhnliche Reise durch unser Bewusstsein. Der Film unseres Lebens entsteht im Kopf.

Die Arbeitsfalle - und wie man sein Leben zurückgewinnt von Bärbel Kerber
Strategien gegen die Selbstausbeutung und für ein wertvolles Leben

 

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