Blutegeltherapie

Andocken, saugen und reinigen

Der Blutegel – ein wurmartiges Tier von ca. 5 cm das an menschlicher Haut saugt. Das Wort "Egel" stammt aus dem Griechischen echis und kann mit „kleine Schlange“ übersetzt werden.

Der Blutegel beißt sich fest und frisst sich praktisch voll. Aber Blutegel sind genügsam. Eine Mahlzeit reicht für 1-2 Jahre.

Und schon seit geraumer Zeit werden diese genügsamen Blutsauger zu Heilzwecken eingesetzt und werden sogar speziell gezüchtet. Pro Jahr werden ca. 400.000 der Tiere an Praxen und Kliniken ausgeliefert.

Die Blutegeltherapie ist ein so genanntes ausleitendes Heilverfahren und die Wirkung ist auf den Bissreiz, den in die Bisswunde abgegebenen Wirkstoffen und Bakterien sowie der Nachblutung zurückzuführen.

Doch was genau passiert bei der Blutegeltherapie?

Zunächst einmal: der Biß der Blutegel ist praktisch schmerzfrei und nur den spürt der Patient vergleichsweise einem Brennnesselstich, Mückenstiche oder einem leichten Ziehen. Denn der Blutegel sondert sofort eine anästhesierende Substanz, die schmerzunempfindlich für den Saugvorgang macht. Er sondert den Wirkstoff Hirudin ab, der die Blutgerinnung hemmt.

Wie viele Blutegel angesetzt werden ist je nach Alter, Zustand, Krankenbild und Häufigkeit der Anwendung bei dem Patienten unterschiedlich. Auch die Größe des Blutegels ist ausschlaggebend.

Der Blutegel wird also an die Körperstelle angesetzt, an der er saugen soll. Dann beißt der Blutegel zu, wobei es sich eher um ein Sägen handelt. Denn die Blutegel raspeln sich mit den drei sternförmig angeordneten Sägeleisten mit jeweils etwa 80 Kalkzähnchen bis zum Blut vor.

Gleichzeitig sondert der Blutegel seinen Speichel (Salvia) ab. Darin konnte man bis jetzt folgende Wirkstoffe nachweisen: 

  • Hirudin, welches für die Hemmung der Blutgerinnung sorgt. Bei dem ca. 30-minütigen Saugakt ist es notwendig, die Wunde offen und das Blut fließfähig zu halten. 
  • Calin, welches ebenfalls die Blutgerinnung hemmt, bewirkt nun im Anschluss an das "schnelle" Hirudin die etwa 12 Stunden dauernde Reinigung der Wunde durch Nachbluten. Es kommt zu dem bekannten, sanften Aderlass.

Je nach Größe und Hungerstand des Egels dauert solch ein Saugvorgang zwischen 15 bis 30 Minuten und kann bis zu 3 Stunden dauern. Er saugt dabei Wirkstoff Hirudin ab, der die Blutgerinnung hemmt. Der Egel saugt etwa 10 ml Blut.

Wenn der Egel sozusagen satt ist, löst er sich von selbst oder er kann mittels Betupfen mit Essig, Salz oder Alkohol unterbrochen werden. Er sollte auch nie „gewaltsam“ entfernt werden, da sein Kiefer in der Wunde bleiben und Entzündungen auslösen könnte.

Die noch mehrere Stunden blutenden Bisswunden (ca. 20-40 Milliliter Blutverlust je Wunde) werden anschließend verbunden.

Wie wirkt die Therapie?

Während die Würmer aus medizinischen Gründen in ein Altersheim für Blutegel kommen (sie werden nur einmal eingesetzt), haben die Patienten nach der Behandlung mehrere Wochen weniger oder praktisch gar keine Beschwerden.
Hauptsächlich wird die Blutegeltherapie bei folgenden Fällen angewandt: 

  • nach Replantation von Ohren, Fingern, Zehen oder Hautlappen und in der Unfallchirurgischen Versorgung zur Wiederherstellung der Durchblutung nach Haut- und Gliedmaßenverletzungen
  • Venenentzündungen mit Thrombosen, 
  • rheumatische Entzündungen, 
  • Gichtanfall, 
  • Stauungen in Venen und Lymphgefäßen sowie
  • Arthrosen.

Dies beruht auf den Wirkungen des Hirudin: gerinnungshemmend, lymphstrombeschleunigend, antithrombotisch und gefäßkrampflösend. Als auch auf den Blutenzug, welcher allgemein erleichternd, beruhigend, blutreinigend, entgiftend, entzündungshemmend und  krampflösend wirkt.

Risiken

Viele meinen, Blutegel sind etwas Unhygienisches. Die für medizinisch eingesetzte Zwecke werden speziell gezüchtet und nur einmal verwendet. Wissenschaftlich gesehen ist die Blutegeltherapie wenig erforschte Grauzone: die Tiere saugen das Blut aus, geben Wirkstoffe und Enzyme ab. Doch warum sie zum Beispiel bei der Arthrose Schmerzen lindern ist offen.

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