Astanga-marga

Auf dem Weg

Die meisten Menschen suchen in Yoga dann Hilfe, wenn körperliche Beschwerden auftreten. Sie Ruhe und Entspannung suchen, weil der Alltag allzu hektisch ist. Andere wenden sich auf ihrem spirituellen Weg dem Yoga zu, um Antworten zu finden.

Im alten Indien jedoch, war Yoga zunächst etwas ganz Praktisches: Das Anbinden von Zugtieren. Dahinter verbirg sich aber schon ein wichtiger Aspekt des Yoga-Weges: Yoga stellt aus zwei Elementen eine Vereinigung her.

Im Bild: Die Tiere, die vorher für sich waren, werden miteinander verbunden, es erfolgt also eine Vereinigung. Andererseits bekommt der Fuhrmann oder Bauer mit dem Joch und Geschirr aber auch Kontrolle über die Tiere, es findet damit eine Lenkung der Zugtiere statt.

Die Weisen in Indien erkannten einen noch tieferen Sinn: "Dieser menschliche Körper ist das Fahrzeug der Seele (eigentlich des "Selbstes" = atman), und die menschlichen Sinne sind zunächst wie wilde Tiere. Sie müssen gebündelt (vereinigt) und kontrolliert (gelenkt) werden, damit der Mensch mit seinem Fahrzeug zur "Selbst-Verwirklichung" gelangen kann."

Gemeinsame Wurzel

Yoga bietet in seiner Vielfältigkeit jedem Menschen einen Anknüpfungspunkt. Unabhängig von Alter, körperlicher oder seelischer Verfassung gibt es Yoga-Richtungen, die man praktizieren kann.

Gemeinsame Wurzel aller heutigen Yoga-Lehren ist vorwiegend der durch den indischen Philosoph und Mystiker Patanjali definierte klassische Yoga. Patanjali fasste das gesamte Wissen über Yoga in den sogenannten Yoga-sutras zusammen. Der klassische Yoga basiert auf den im zweiten Kapitel der Yogasutras (knapp 200 Merk-Verse = sutras) beschriebenen achtstufigen Pfad, den astanga-marga.

Leitet man das Wort aus dem Sanskrit ab, könnte, setzt es sich wie folgt zusammen: ashta (acht) und anga (Teile, Glieder, „Stufen“).

Der achtgliedrige Pfad

Dabei bauen acht Stufen aufeinander auf. Keine der Stufen ist unverzichtbar, keine wertvoller oder besser als die andere. Jedoch wäre es nicht ganz korrekt, das System ausschließlich als Stufensystem zu betrachten. Es handelt sich eher um eine Verflechtung der einzelnen Glieder.

1.      yama (allgemeine Regeln / der Umgang mit anderen)

2.      niyama (besondere Regeln / der Umgang mit sich selbst)

3.      asana (Sitz-Haltung/Körper-Haltung)

4.      pranayama (Atem-Lenkung/Atem-Achtsamkeit)

5.      pratyahara (Das Fasten / Zurückziehen der Sinne)

6.      dharana (Konzentration) 

7.      dhyana (Meditation, Versenkung)

8.      samadhi (Selbsterfahrung / Eins-Sein)

 

Wer Yoga als Weg begreift, lernt gleich zu Anfang über die Bedeutung der Achtsamkeit für andere, die Umwelt und für sich. Dies ist Grundlage des Erfahrungsweges: Yama und Niyama. In beiden steckt die Wurzel „yam“ = zügeln. Womit man wieder im Bild ist. Im Übrigen steckt auch im Begriff Yoga die Bündelung von Kräften und dem zielgerichteten Lenken.

Durch achtsam ausgeführte Körperbewegungen (asanas) können Verspannungen und Blockaden gelöst werden.

In Verbindung mit der Aufmerksamkeit auf den Atem (pranayama) wird das innere Gleichgewicht gefördert und die Konzentration gestärkt.

Dies ist eine Vorbereitung für die nächste Stufe: dem Zurückziehen der Sinne (pratyahara). Die Fähigkeit zur Sammlung und stillen BEtrachtung wird gefördert.

Weitere Konzentrationsübungen (dharana) dienen der Beruhigung des Verstandes, die Achtsamkeit für den Augenblick wächst und wird bewusster.

So kann eine Harmonisierung (dhyana) von Körper, Atem und Geist erreicht werden, ein tiefes Verständnis für sich selbst und sein Umfeld zu erlangen.

Um dann Eins zu sein (samadhi) mit Gott. Es ist eine überbewußte Erfahrung, eine intuitive Erkenntnis, wohin Verstand, Schlußfolgerung und Beweis nicht gelangen können. Die in Samadhi gemachte Erkenntnis ist göttliche Erkenntnis.

Genügend Lehrstoff

Heute kann jeder aus dem Stehgreif mindestens 5 Stressoren aufzählen, die ihn unruhig werden lassen. Und es gibt unzählige Gründe, die jeden, nicht nur Führungskräfte daran hindern, ruhiger, klarer und zufriedener zu werden. Nach Patanjali sind es „nur“ fünf Hindernisse: die kleshas.

Und Patanjali erkannte: Ein unruhiger, zerstreuter Geist führt zu unruhigen und zerstreuten Handlungen. Was das heute heißt: Burn-Out. Am Ende steht geistige und körperliche Erschöpfung.

Doch egal, warum und weshalb man Yoga praktiziert: im Yoga-Sutra heißt es, dass nur mit einem ruhigen Geist die wahre Natur des Daseins erkannt werden kann.

Definition von Yoga von Patanjali:

Yoga ist das zur Ruhe kommen der Denkbewegungen, denn dann erkennt, dann ruht, der Sehende (der Mensch) in seinem wahren Selbst, seinem wahren Urspung.

Ziel ist die Verbindung und Vereinigung zwischen dem einzelnen und seinem wahren Selbst, Gott. Dabei müssen wir aktzeptieren, dass ein Großteil auf dem Weg dorthin, jenseits unseres Verstandes liegt und nur für wenige Menschen erfahrbar ist. Der Teil, der für viele erfahrbar ist, reicht aber lange aus und bietet genügend Lehrstoff.

Und: Auf dem Weg ist ein Aspekt das Verringern der Leiden (dukha) und Auflösen der Ursachen der Leidbringer, der kleshas. Denn eine Handlung aus einem klaren Geist führt nicht zu Leid, sondern zu Wohlbefinden, Glückseligkeit, Freiheit, Unabhängigkeite, Erkenntnis, Frieden, Harmonie, Vertrauen und Liebe.

 

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