Adonis-Komplex
Wenn Schönheit krankhaft wird
Genauso wie Pflege und Schönheit schon lange nicht mehr nur „Frauensache“ ist und die Herren der Schöpfung immer weiter in dieses Territorium vordringen, im gleichen Maße häufen sich auch die negativen Begleiterscheinungen.
Denn Bulimie, übertriebener Körperkult, Diätwahn, Fitnesszwang und Medikamente sind auch keine Frauensache mehr. Erst langsam bekennen sich auch Männer dazu, krank zu sein. Es mag sein, dass manches mehr bei Frauen oder Männern auftaucht, schließt doch aber nicht aus, dass auch das andere Geschlecht jeweils betroffen sein kann und sich dessen nicht schämen muss.
Werden auch Männer Opfer der Medien?
Wann ist es Fitness-Training, wann ist es eine zwanghafte Verhaltensweise?
Werden die Männer ebenso Opfer der Medien wie die Frauen? Größe, Gewicht, Haare, haut, Muskeln beschäftigen auch Männer oft über das gesunde Mass an Körperbewußtsein.
Ein Mann mit Bierbauch anstelle Waschbrettbauch ist out? Dazu kommt, dass die Frauen zunehmend „ihre Frau stehen“ und am männlichen Selbstbewußtsein kratzen. Zumindest in der Wahrnehmung mancher Männer. Wie also die Männlichkeit beweisen, wenn das Feuer aus dem Feuerzeug kommt und die Frauen nicht mehr vor der Höhle warten?
Das mag sich überspitzt anhören. Aber während die Frauen mit den attraktiven Models, mit blonder wehender Mähne und gertenschlanker Figur kämpfen mussten, müssen sich Männer nun mit dem Bild des „echten Kerls“ auseinander setzen.
Ein kaum erreichtes Schönheitsideal. Nicht für Otto-Normal-Mann. Und auch hier die Unterschiede: während sich die einen abhungern, pumpen sich andere voll, um dem Ideal zu entsprechen. Doch welches Ideal? Denn sowohl Bodybuilder als auch magersüchtige leiden unter einem falschen Selbstbild.
Harrison G. Pope, Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School in den USA, hat für die Probleme der Männer mit ihrem Körper den Begriff "Adonis-Komplex" geprägt.
Körperfixierung bei Männern und die Flucht ins Training, um dem Idealbild schlanke Taille, breite Schulern und ausgeprägte Muskeln näher zu kommen. Männer, so fassen die beiden Wissenschaftlerinnen Sozialwissenschaftlerinnen Birgit Buchinger und Beate Hofstadler in ihrer Studie zusammen, müssen jeden Tag beweisen, dass sie männlich sind. Waren es früher nur Erfolg im Beruf, ein schnelles Auto oder eine tolle Frau, so ist es heute immer häufiger auch der Körper, der diesem Leistungsdruck unterstellt wird.
Doch nicht jeder Mann, der seinen Körper trainiert und auf sein Äußeres achtet, ist psychisch krank. Es kommt auf die Einstellung an. So ergab ein Vergleich mit Sportkletterern, dass diese zwar auch darauf achten, schlank zu bleiben und ihre Muskel zu trainieren, jedoch offenbar eine gesündere Einstellung zu ihrem Körper haben.
Fazit
Und mal ehrlich: wie wichtig sind den Muskeln?
Kennen Sie den berühmten Satz: auf die Inneren Werte kommt es an? Tja, nun muss sich auch die Herrenwelt mit der Differenz zwischen Wort und Verhalten auseinandersetzen.
Männer dürfen nicht zugeben, dass sie unter diesem Druck stehen. Dann wären sie ja Weicheier und Schwächlinge. Ehrlich?
Wie immer kommt es auf das rechte Maß an, mit dem Sie Körperpflege und Fitness betreiben. Tun Sie das, was Ihnen gut tut, was Ihnen steht, was zu Ihnen passt.
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