Wie alle präsentieren? Ich bin doch nicht blöd.

Die letzte Folie von insgesamt 60 erstrahlt an der Wand des Vortragsraumes. Auf ihr steht: „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“. Das Licht im Raum geht an, so dass man auch den Menschen  auf der Bühne wieder sehen kann. Schließlich hatte er seit gefühlten 2 Stunden im Dunkeln am Rand der Bühne mit der Fernbedienung eine Folie nach der nächsten durchgeklickt und sie  – ganz serviceorientiert – von vorne bis hinten vorgelesen. Mit dem nun wieder hell erleuchteten Raum wird auch der letzte Anwesende wieder wach – schade, denn er hatte die letzten 60 Minuten doch so wunderbar geschlafen…

Kennen Sie Ihren Palpebra superior? Das ist der lateinische Fachbegriff für das Augenlid, das nach unten fällt und dort bleibt – bis das Licht wieder angeht. Auf Businessvorträgen auch „Akutes Publikumswachkoma durch die im Halbschatten stattfindende Beamerpräsentation“ genannt. Es gibt kaum eine wirkungsvollere Narkose als eine exzessive Slideshow – das haben eine Fülle wissenschaftlicher Studien längst bewiesen.

Überraschen und überzeugen mit den Erfolgsmethoden der Werbung

84 Prozent der Präsentationen in Meetings, auf Kongressen und Vortragsevents sind stinklangweilig und einschläfernd – das hat das Wall Street Journal herausgefunden. Anstatt seine Zuhörer mit einem kreativen, informativen und unterhaltsamen Vortrag zu begeistern, verhelfen die Präsentatoren ihren vermeintlichen Zuhörern nur zu einem erholsamen Nickerchen.

Nach meiner Ansicht sollte  jeder Vortrag ein Stück Werbung sein – Werbung für ein Konzept, eine Lösung, ein Unternehmen, eine Abteilung  und sogar für den Präsentator selbst. Wenn also Vorträge gleich Werbung sind, müssten doch auch die Techniken aus Werbung und Marketing in Präsentationen funktionieren.

Ja, es stimmt! Was einen Werbespot zu einem überraschenden und funktionierenden Werbespot macht, lässt sich auch vorne auf dem Podium erfolgreich nutzen: Mit ein bisschen Quermachen und Querdenken! Hier drei Erfolgsrezepte aus der Werbung, die genauso auch für eine gelungene Präsentation sorgen:

  1. Illustrieren!: Bilder, Bilder, Bilder – heißt die Devise. So simpel wie wirkungsvoll. Zaubern Sie Bilder in die Köpfe Ihres Publikums. Denn nur, wenn Sie Bilder nutzen, schaffen Ihre Informationen den Weg ins Langzeitgedächtnis!

  2. Inszenieren!: Und zwar anders als alle anderen. Überraschend und merkfähig. Nicht einfach in der Gegend herumbeamen, sondern zum Beispiel live erklären, demonstrieren, zeigen, zeichnen, basteln und alle Sinne anregen.

  3. Interagieren!: Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Publikum auf. Beziehen Sie es in Ihre Präsentation ein. Stellen Sie Fragen, fragen Sie nach Meinungen und Ideen und bringen Sie Ihre Zuhörer in Aktion.

Um diese drei Rezepte umzusetzen, braucht es natürlich auch bestimmte Techniken. Drei von einem Dutzend Werbetechniken, die ich selbst als Vortragsredner regelmäßig auf ihre „Vortragstauglichkeit“ prüfe, möchte ich Ihnen gerne vorstellen (und mit Beispielen aus der Werbung unterfüttern).

Technik 1: Geschichten erzählen

Menschen lieben Geschichten. Nicht umsonst wird getratscht, werden Fakten künstlich aufgebauscht. Je besonderer die Story, desto – im wörtlichen Sinne – „merkwürdiger“ ist sie. Unzählige Werbestudien haben bewiesen, dass in Stories verpackte Inhalte viel besser verstanden, vom Hirn verarbeitet und dort verankert werden als die puren, nackten, rationalen Fakten.

Die Werbung nutzt überraschende und ungewöhnliche Geschichten, um sich fast unmerklich in den Kopf der Konsumenten einzuschleichen. Und schon liegt die so unglaublich leckere Kondensmilch im Einkaufswagen, die in der Werbung von einem süßen braunen Bären auf einer saftigen Alm in eine schicke Milchkanne gegossen wurde.

Oder erinnern Sie sich an die Werbung eines großen schwedischen Möbelhauses, bei der pünktlich zum so genannten Knut-Tag die Weihnachtsbäume aus den Fenstern geworfen werden, um Platz zu machen für neue Möbel?

Die Macht dieser Geschichten ist begründet in unser aller Entwicklung: Kommunikationsexperten sind sich heute sicher, dass ein soziales Miteinander nur möglich ist, in dem wir uns Geschichten erzählen. Storytelling ist eines der wichtigsten Instrumente, um die Aufmerksamkeit von Menschen zu erregen. In gleicher Weise können auch Präsentatoren Geschichten erzählen – als eine Art Mini-Werbespot in ihrem Vortrag. Die stärkste Variante ist immer die Story, die man selbst erlebt hat.

Natürlich sollten Sie nicht von Ihrem allmonatlichen  Besuch bei der Schwiegermutter erzählen oder von Ihrer letzten Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Wichtig ist, dass Sie eine Geschichte finden, die Sie gut auf Ihr Vortragsthema beziehen können – aber vor allem: Finden Sie eine Geschichte, die Ihre Zuhörer bewegt, die anders ist!  

Beispiel:

  • Steve Jobs, der Apple-Chef hat mal einen Vortrag vor Studenten an der Stanford Universität gehalten. Er erzählte über seine Adoption, über den Rauswurf aus dem von ihm selbst gegründeten Unternehmen Apple und über seine Krebserkrankung. Diese Geschichten gaben jedem einzelnen Studenten die  Gelegenheit, eine Erfolgsgeschichte mit Brüchen und Wendepunkten mitzuerleben, mitzuleiden. Und sie gaben ihnen die Chance, eigene Schlüsse für ihr persönliches Leben daraus zu ziehen.

Technik 2: News nutzen

Die Werbung nutzt das Aha-Phänomen in unterschiedlichster Form. Werbung setzt auf Nachrichten, spielt mit ihnen, um deren Wirkung zu nutzen. So wurde von einem Schuhhaus für gebrauchte Herrenschuhe eine „Abwrackprämie“ gezahlt oder ein Autovermieter lud anlässlich der Bankenkrise zur „Talfahrt“ ein.

News kreativ nutzen – das können Sie in Ihrer Präsentation auch. In der einfachsten Version geht das so: Sie haben Ihr Thema, finden einen Zeitungsartikel, der einen aktuellen Bezug zu Ihrem Thema hat, und nutzen diese Nachricht eins zu eins als Aufhänger für Ihren Vortrag.

Beispiel: Aktuelle News

  • Ein großer, lang angekündigter Boxkampf wird abgesagt. Nutzen Sie diese Nachricht, wenn Sie beispielsweise vom Kampf gegen Wettbewerber sprechen möchten. Oder von internen Kämpfen, die man garantiert nicht absagen, sondern mutig angehen wird.


Beispiel: Skurrile News

  • Nachrichten, die die Welt nicht braucht, lassen sich prima in Präsentationen nutzen. Wenn zum Beispiel eine Koreanerin über 100 Mal durch die Führerscheinprüfung rasselt, dann kann man das perfekt nutzen, um über große Herausforderungen im Unternehmen zu sprechen. Oder dass man einem angreifenden Krokodil zur Abwehr kräftig auf die Nase boxen muss, ist auch eine lustige Nachricht, wenn es um den Überlebenskampf in Märkten geht.

Technik 3: Metaphern verwenden

Die Metapher – ein bildhafter Vergleich – ist seit Jahrtausenden eines der wirkungsvollsten Stilmittel in der Kommunikation. Und funktioniert genauso perfekt in der Werbung: Zum Beispiel, wenn ein Kinderdessert so wertvoll wie ein kleines Steak ist oder Waschmittel einen Pullover schäfchenweich machen. Es wird etwas Neues, Unbekanntes, Erklärungsbedürftiges mit Bekanntem, längst Gelerntem verglichen.

Ergebnis: Selbst komplexe Inhalte werden leicht verstanden und verankert. Hier zwei Beispiele, wie Sie eine Metapher wirkungsvoll in Ihre Präsentation einbauen.

Beispiel:

  • Wenn Sie in Ihrem Vortrag über das Thema Mitarbeiterförderung sprechen, dann können Sie einen Fußballschuh mitnehmen oder einen Fußball ans Flipchart malen („Das ist wie ein Bundesligaverein, der regelmäßige Trainingseinheiten braucht, um Meister zu werden.“). Oder Sie nehmen einen Blumentopf mit oder malen einen ans Flipchart („Das ist wie ein Blumenbeet, das permanent gedüngt werden muss und schließlich in strahlenden Farben erblüht.“).   

Autor

Gerriet Danz

ist einer der anerkanntesten Kommunikationsexperten im deutschsprachigen Raum. Über hunderttausend Menschen haben sich bereits von ihm inspirieren lassen. Seine Seminare und Coachings sind so ungewöhnlich wie der Mix seiner Erfahrungen.

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