Gibt es eine nächste Version des Internets?

3 Visionen zum Web 3.0

Eine genaue Definition was künftig Web 3.0 sein wird kann genauso wenig getroffen werden, wie heute Einigkeit darüber zu erreichen ist, was Web 2.0 ist und was nicht. Dennoch ist es möglich verschiedene Entwicklungsrichtungen aufzuzeigen, die einen erheblichen Teil zum Web 3.0 beitragen werden.

Koppelung semantisches Web und Web 2.0

Wissenschaftler arbeiten derzeit an der Weiterentwicklung des Internets zu einem semantischen Netzwerk. In einem solchen semantischen Netz können Inhalte auch maschinell einem Kontext zugeordnet und dadurch gezielter mit anderen Inhalten verknüpft werden.
Die dafür notwendigen Daten werden jedem Inhalt, in einer standardisierten Form als Metadaten mitgeliefert. Beispielsweise erhält jedes Dokument einen eindeutigen Verweis auf seinen Autor. Eine Suchanfrage der Art „Welche Reden zum Thema Außenpolitik hielt Angela Merkel 2007“ liefert dann nur Reden von Angela Merkel.
Das semantische Web zielt also auf eine qualitative Verbesserung der Suchergebnisse ab. Der Nutzer kann komplexere Anfragen stellen und erhält gleichzeitig bessere Ergebnisse.
Ein semantisches Netz kann dem Kunden sogar den Einkauf abnehmen. Ein maschineller Agent wird mit einer hinreichend genauen Suchanfrage gefüttert, sucht selbständig das gewünschte Produkt und bestellt dieses. Nach der Suchmaschinenoptimierung der heutigen Tage stellt damit die semantische Optimierung von Webseiten ein neues Geschäftsfeld im Internet dar.

Das Internet in 3D

Second Life hat es vorgemacht. Ohne einen eigenen Inhalt zu liefern bietet es eine dreidimensionale Plattform, die von den Anwendern selbst gestaltet und für eigene Zwecke genutzt werden kann. Eine solche Darstellungsform hat im Vergleich zum bislang zweidimensionalen Internet erhebliche Vorteile, wenn es um Realitätsnähe und um den „Erlebnis-Faktor“ geht. Die steigenden Bandbreiten der Internetanbindung und die Weiterentwicklung der Hardware wird zudem die graphische Qualität solcher Plattformen noch weiter steigen lassen.
Die Vision einer dreidimensionalen Plattform, in der es zudem möglich ist Dokumente allen Konferenzteilnehmern einzublenden und mit diesen gemeinsam zu bearbeiten, schlägt die eben erst modern gewordenen Videokonferenzen um Längen

Mobiles Web

Schon heute wirbt ein Mobilfunkanbieter mit dem Slogan „He’s got the world wide web in his hands“, und mit einem modernen Handy ist das surfen im Internet auch problemlos möglich. Sobald man aber selbst aktiv am Internet teilnehmen möchte zeigt sich sehr schnell, dass die Möglichkeiten der mobilen Eingabegeräte noch sehr begrenzt sind. Doch auch hier zeichnen sich die kommenden Möglichkeiten bereits deutlich ab. So wurden in Barcelona bei der 3GSM-Konferenz 2006 erste "One Button Voice Control"-Handys vorgestellt. Mit solchen Geräten soll künftig nicht nur eine Sprachsteuerung des Handys ermöglicht werden, auch das Diktieren von E-Mails oder das Editieren von Eingabefeldern auf Webseiten wäre via Sprachunterstützung möglich. Eingehende E-Mails können beispielsweise bei Bedarf auch vom Gerät vorgelesen werden.
Ob der ohnehin schon stress-geplagte Manager die Möglichkeit jedoch begrüßen wird, nun auch schon während der morgendlichen Autofahrt zur Arbeit seine E-Mails beantworten zu können, sei noch dahingestellt.

Wer braucht das wirklich?

Die angesprochenen Entwicklungen werden sicher in einigen Jahren zur Marktreife gelangen, ob und inwieweit sie sich tatsächlich durchsetzen können ist heute nicht mit Sicherheit abzusehen. Das Internet selbst hat mit Web 2.0 erneut an Dynamik gewonnen und in welche Richtung diese Energie gelenkt wird steht zu einem großen Teil noch in den Sternen.
Die Klärung der Frage jedoch, ob sich die Entwicklung nicht wieder einmal selbst überholen und kollabieren wird steht noch aus. Selbst in der IT-Branche gilt für die Einen noch, dass im Internet nichts kommentiert wird, wohingegen für die Anderen bereits Wikis, Social Networking und Blogs das täglich Brot sind. Bevor Web 3.0 also Wirklichkeit werden kann muss Web 2.0 nicht nur als Schlagwort in unseren Köpfen ankommen.

Links und Literatur:

Semantisches Web vs. Web 2.0
Forscher feilen am Web 3.0
Überholt das Web 3.0 gar das Web 2.0?
Laptops, PDAs oder Handys: Spracherkennung wird mobil

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