Marktwert
Unternehmenswert bestimmen
Ein Phänomen, das stutzig macht: Der Marktwert bzw. die Marktkapitalisierung von Unternehmen liegt heute oft über ihrem Book Value, der Höhe des (finanziellen) Eigenkapitals.
Die Ursache dafür liegt in den Intangible Assets, also immateriellen Vermögenswerten, die den zukünftigen Unternehmenserfolg hervorbringen werden. Das Wissenszeitalter stellt tradierte Ansichten auf den Kopf, da Unternehmen weniger mit der physische Arbeitskraft ihrer Akteure, als vielmehr mit deren individuellen Wissen und Fähigkeiten, dem Humankapital, Geld verdienen.
Der Marktwert bestimmt sich durch das intellektuelle Kapital und das Finanzkapital eines Unternehmens. Man kann diese beiden Einflußgrößen auch als finanzielles und intellektuelles Eigenkapital oder materielle und immaterielle Vermögensgegenstände bezeichnen.
In die Bilanz eines Unternehmens finden nur die materiellen Vermögensgegenstände Eingang. Manche Unternehmen bewerten deshalb ihr intellektuelles Kapital gesondert und veröffentlichen zum Beispiel Wissensbilanzen (s.a. Wissensmanagement).
Das Marktwert-Schema
Das schwedische Unternehmen Skandia nimmt eine weltweite Vorreiterstellung auf dem Gebiet des Intellectual Capital Management ein. Die Aufgaben des Intellectual Capital Management bestehen darin, die Intangible Assets des Unternehmens zu entwickeln, zu erhalten, zu steuern und zu erneuern.
- Für Leif Edvinsson, Vice President von Skandia, ist intellektuelles Kapital "Knowledge that can be converted into value" also die Summe von für das Unternehmen verwertbarem Humankapital und strukturellem Kapital.
- Als Humankapital wird die Summe von Erfahrungen, Fähigkeiten und Wissen der Akteure des Unternehmens bezeichnet. Den Wert des Humankapitals zu steigern ist Aufgabe des Human Resource Managements.
- Das Strukturelle Kapital ist das, was übrig bleibt, wenn die Akteure des Unternehmens nach Hause gehen: Datenbanken, Kundenlisten, Standards, Leitfäden, Trademarks usw. Es gliedert sich in Kundenkapital und Organisationskapital und erfährt seinen Wert erst durch die Nutzung durch die Akteure.
- Customer Capital oder Kundenkapital repräsentiert den Wert sämtlicher Kundenbeziehungen des Unternehmens, beispielsweise das Kundenvertrauen. Branding und Customer Relations Management sind wertsteigernde Aktivitäten in diesem Bereich.
- Das Organisationskapital besteht seinerseits aus den beiden Faktoren Innovations- und Prozesskapital.
- Innovationskapital liegt in der Erneuerungsstärke eines Unternehmens. Patente, Lizenzen und Markennamen ermöglichen zusammen mit Kreativität zukünftige Cash-Flows.
- Das Prozesskapital gründet auf den kombinierten Werten der wertschöpfenden Prozesse wie Auftragsabwicklung, Beschaffung und Ablaufstrukturierung.
Links und Literatur
- Leif Edvinsson, Vizepräsident von Skandia, über Intellectual Capital:
http://www.skandia.se/group/future/intellectual/leif.htm - Karl-Erik Sveiby, Unternehmensberater und Koryphäe auf dem Gebiet des Wissensmanagement über Intellectual Capital and Knowledge Management:
http://www.sveiby.com.au/IntellectualCapital.html - Klaus North (1998): Wissensorientierte Unternehmensführung. Wertschöpfung durch Wissen. Wiesbaden 1998.

