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Going Public
Der Börsenboom
Der Start des Neuen Marktes im März 1997 hat einen wahren Neuemissionsboom in Deutschland ausgelöst. In diesem Marktsegment der Frankfurter Wertpapierbörse bekommen junge, noch kleine, wachstumsstarke Unternehmen der Zukunftsbranchen Telekommunikation, Medien und Technologie (TMT) einen angemessenen Handelsrahmen.
Durch das positive Börsenumfeld weltweit, die Vereinfachung des Aktienrechts und die erfolgreiche Emission der Deutschen Telekom entwickelte sich eine neue Aktienkultur. Dennoch ist Deutschland im Vergleich zu angelsächsischen Ländern immer noch ein Börsenschwellenland.
Der Begriff Going Public (dt. Börsengang) wird in der Literatur oft als Synonym zu IPO (Initial Public Offering; dt. erste öffentliche Plazierung von Aktien an der Börse) verwendet.
Der Ablauf eines Going Public
Auswahl der Berater
Zu Beginn steht die sorgfältige Auswahl professioneller Berater wie z.B. Steuerberater und Rechtsanwälte, die über das notwendige Know-how und langjährige praktische Erfahrungen auf diesem Gebiet verfügen an.
Ausserdem wird der oder die Konsortialführer nach einem Verfahren namens Beauty Contest ausgewählt, wobei Wirtschaftsanwälte die vertraglichen Beziehungen zwischen Unternehmen und Bankenkonsortium vertraglich ausarbeiten.
Rechtsform
Hat das Unternehmen im Vorfeld des Börsengangs die Rechtsform einer Personengesellschaft oder GmbH, so ist eine Umwandlung in eine börsenfähige Rechtsform, nämlich in eine Aktiengesellschaft oder eine Kommanditgesellschaft auf Aktien vorzunehmen.
Unternehmensanalyse
Danach wird eine Due Diligence, also eine umfassende Unternehmensanalyse durchgeführt. Anschließend werden in einem Verkaufsprospekt, die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse des Unternehmens offengelegt.
Börsenplatz
Es stellt sich nun die Frage, an welchem Börsenplatz das Unternehmen gelistet werden soll. Es besteht die Möglichkeit des Dual-Listings, also der Handelsaufnahme an der Frankfurter Wertpapierbörse oder einer der sieben Regionalbörsen und an einer Auslandsbörse wie z.B. dem High-Tech-Markt in den USA, der Nasdaq.
Marktsegment
Neben dem Börsenplatz ist die Auswahl des passenden Marktsegments bei einem Going Public von Bedeutung. Zu den regulierten Märkten gehören der Amtliche Handel, der Geregelte Markt und die zwei Themenmärkte Neuer Markt und SMAX. Der Freiverkehr dagegen stellt die geringsten Zulassungsvoraussetzungen in bezug auf Publizität und Plazierungsanforderungen an die Emittenten.
Aktienherkunft
Die im Rahmen des Börsengangs zu plazierenden Aktien können aus einer Kapitalerhöhung, einer Umplazierung, d.h. aus dem Altbesitz der bisherigen Gesellschafter, oder einer Kombination beider Maßnahmen stammen.
Aktiengattungen
Die Unterscheidung nach Aktiengattungen erfolgt durch die Einteilung nach Stammaktien, Vorzugsaktien und vinkulierte Namensaktien, wobei die stimmberechtigte Stammaktie am häufigsten gewählt wird.
Marketing & Bookbuilding
Parallel zu diesen wichtigen Entscheidungen laufen die Marketing-Maßnahmen wie Road-Shows, One-on-one-Gespräche mit potentiellen Investoren auf Hochtouren.
Bevor der Emissionspreis nach dem Festpreisverfahren bzw. dem Bookbuilding-Verfahren festgelegt wird, muss das Unternehmen noch nach dem Discounted Cash-Flow-Verfahren oder dem Multiplikatoren-Verfahren bewertet werden.
Wenn der Emissionspreis dann feststeht, werden die Aktien bei mehrfacher Überzeichnung per Los, ansonsten nach einem bestimmten "Schlüssel" zugeteilt.
Stabilisierung
Nach der Handelsaufnahme der Aktie an der Börse kann der Kurs gegebenenfalls durch die Ausübung des Greenshoes (dt. Mehrzuteilungsoption) gestützt werden. Außerdem fördert der Designated Sponsor (dt. Betreuer) und Market Maker die Liquidität der Aktie.
Motive für ein Going Public
Meistens strebt die Führungsspitze mit einem Börsengang die Stärkung der Eigenkapitalbasis für geplante Investitionen an. Insbesondere für junge Wachstumsunternehmen eröffnet sich damit eine langfristige Finanzierungsquelle in einem Stadium, in dem ein erheblicher Kapitalbedarf mit sehr beschränktem Zugang zu Fremdkapital korrespondiert.
Darüber hinaus bringt ein Going Public dem Unternehmen eine hohe Publizitätswirkung. Diese Publizitätswirkung kann die Basis für entscheidende Wettbewerbsvorteile auf den Produkt- und Arbeitsmärkten bilden.
Links und Literatur
- Universität Witten/Herdecke:
http://www.uni-wh.de/de/wiwi/lehrstuhle/ima/serie11.htm


