Benchmarking

Die Lücke zum Besten schließen

Schon 1979 beeinflusste Japan die angelsächsischen Wirtschaftspraktiken. Die Angst vor der Übermacht japanischer Konkurrenz veranlasste den damaligen Präsidenten von Xerox, ein Team auf die Inseln zu entsenden. Der Auftrag: Bestimmung eines trigonometrischen Punktes (engl. Benchmark), der Xerox´ Wettbewerbsposition markiert.

Benchmarking ist also die kontinuierliche Vergleichsanalyse von Produkten (Dienstleistungen), Prozessen und Methoden des eigenen Unternehmens mit denen des besten Konkurrenten. Zweck ist es, die Leistungslücke zum führenden Unternehmen in der Branche systematisch zu schließen.

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Ablauf des Benchmarking

Benchmarking ist ein Instrument der Wettbewerbsanalyse, mit dessen Hilfe die Marktposition eines Unternehmen bestimmt, kontrolliert und verbessert werden soll. Solch eine Analyse umfasst die folgenden 5 Schritte:

  • (1) Auswahl des Objektes (Produkt, Methode, Prozeß), das analysiert und verglichen werden soll
  • (2) Festlegen der Vergleichswerte und Auswahl des Vergleichsunternehmens (Vergleichbarkeit überprüfen)
  • (3) Datengewinnung (über Sekundärinformationen oder Primärinformationen wie z.B. Betriebsbesichtigungen)
  • (4) Feststellung der Leistungslücken und ihrer Ursachen
  • (5) Seine eigene Best Practice entwickeln

Ausschlaggebend ist, dass für jeden angestrebten Vergleich derjenige Konkurrent herangezogen wird, der sich durch die Best Practice auszeichnet bzw. Best in Class, also führend auf diesem Gebiet ist.

Das Ausloten der Grenzen des Benchmarking hat teilweise soweit geführt, dass die Schwelle zur Unseriösität oder gar zur Betriebsspionage überschritten wird (Fall López).

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Verschiedene Formen des Benchmarking

Sinnvoll ist Benchmarking nur, wenn es eine grundlegende Ähnlichkeit in den erzeugten Leistungen oder in der Leistungserbringung der Vergleichspartner gibt. Am einfachsten erscheint dies bei internem Benchmarking, wenn etwa die Filialen eines Handelsunternehmens gegenübergestellt werden. Das Problem: Haben alle Niederlassungen durch Systemvorgaben dieselben Mängel in der Effizienz, kann das Benchmarking dies nicht aufdecken.

Hier hilft der Vergleich mit Organisationen, die zueinander im Wettbewerb stehen. Dort können beispielsweise die Entwicklung von Marktanteilen, die Relation der Gemeinkosten zu den direkten Kosten oder Liefer- sowie Innovationsgeschwindigkeit verglichen werden.

Sollten Wettbewerber Informationen nicht austauschen wollen, ist auch ein verdeckter Vergleich möglich, der über eine Clearingstelle organisiert wird. Die beteiligten Organisationen erfahren dann meist indexierte Ergebnisse, die nicht einzelnen Konkurrenten zuzuordnen sind. Clearingstellen können speziell von Unternehmen gegründete Benchmarking-Clubs sein. Doch auch Unternehmensberatungen, Wirtschaftsverbände oder wissenschaftliche Institute übernehmen diese Funktion.

Steht das eigene Unternehmen beim Benchmarking nicht an der Spitze, darf die Führungsmannschaft eines nicht vergessen: Die Orientierung an der bestplatzierten Organisation darf nicht zu einer Mentalität des Einholens statt des Überholens führen. Sonst belegt das eigene Unternehmen auf Dauer nur einen Platz auf den Rängen.

Auch der Vergleich mit strukturähnlichen aber branchenfremden Organisationen kann wertvolle Impulse liefern, wenngleich es hier oft schwieriger ist, geeignete Partner zu finden und Ergebnisse im eigenen Unternehmen anzuwenden. Neuerungen bringt dieses Benchmarking vor allem dann, wenn in der anderen Branche bereits jahrelange Erfahrungen durch eine verschärfte Wettbewerbssituation erzwungen wurden, die in wesentlichen Elementen auf die eigene Branche übertragbar sind.

So könnte der Vergleich mit Software-Hotlines Anregungen für die Abwicklung komplexerer Beratungsfälle für eine Direktbank liefern. Der Schalterdienst einer Fluggesellschaft kann seine Abläufe denen eines führenden Hotels beim Ein- und Auschecken der Teilnehmer eines Kongresses gegenüberstellen.

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Vergleichswerte festlegen

Durch den Blick auf Andere hilft Benchmarking, Spitzenleistungen zu erkennen und daraus Ideen zu gewinnen. Dazu müssen die Benchmarking-Partner auch so ausgewählt werden, dass der Vergleich tatsächlich zu Anregungen führen kann. Als Maßstab eignen sich hierfür insbesondere die bei Erfolg und Erfolgstreibern erzielten Leistungswerte.

Sie zeigen, wo das eigene Handlungssystem führend ist, wo es unterdurchschnittliche Ergebnisse produziert und wo möglicherweise noch Potenziale verborgen sind.
Benchmarking kann dabei auf den real Besten ausgerichtet sein. Dieser verbindet die verschiedenen Leistungswerte so, dass er insgesamt eine führende Rolle einnimmt.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, für jeden Leistungswert das beste Ergebnis zu bestimmen und aus diesen Daten einen virtuell Besten zusammenzusetzen. Dieses Verfahren ist allerdings dann problematisch, wenn die gleichzeitige Verbesserung bestimmter Leistungswerte nicht möglich ist.

Erfolgstreibende Faktoren und Handlungsvoraussetzungen berücksichtigen

Für die tatsächliche Ausschöpfung der Potenziale machen Leistungswerte allein meist nur wenig Sinn. Entscheidend für ein nutzbringendes Lernen voneinander ist, besonders die erfolgstreibenden Faktoren des jeweiligen Verfahrens sowie die Handlungsvoraussetzungen zu identifizieren.

Neben den einzelnen Leistungswerten sollten deshalb auch immer qualitative Informationen erhoben werden. Auf dieser Grundlage lassen sich dann in persönlichen Gesprächen gezielt Fragen stellen, die die Hintergründe aufdecken.

Seine eigene Best Practice entwickeln

Der Erfolg von Benchmarking bemisst sich allerdings weniger in der methodischen Ermittlung eines Leistungswerts als in der Anzahl erzeugter Ideen. Immerhin will man ja herausfinden, welche Abläufe, Rollen, Koordinationsmechanismen, Ressourcen oder Fähigkeiten im eigenen Unternehmen überdacht werden müssen und wie man sie besser gestalten kann.

Die identifizierten Erfolgsrezepte können dabei meist nicht einfach übernommen werden. Vielmehr ist es erforderlich, eine Vorstellung von der eigenen Best Practice zu entwickeln und dieses Modell dann gemäß den entsprechenden Portalen der Strategieverwirklichung zu realisieren.

Links und Literatur

Die beste deutschsprachige Site zum Thema unter anderem mit einem Überblick über ausgezeichnete Unternehmen (Best Factory Award), Hilfe bei der Partnersuche und vielen interessanten Links (Export-Akademie Baden-Württemberg):
http://www.benchmarking.de/

Das 1994 gegründete Informationszentrum Benchmarking am Fraunhofer-Institut IPK-Berlin hat sich zum Ziel gesetzt, den Ansatz des Benchmarking in der deutschen Industrie zu verbreiten:
http://www-izb.ipk.fhg.de/

Aus: ANWANDER, Armin: Strategien erfolgreich verwirklichen : Wie aus Strategien echte Wettbewerbsvorteile werden. Zweite, erweiterte Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 2002. ISBN 3-540-42445-8.

Aus: LEIBFRIED, K.H.J.; MCNAIR, C.J. (1993): Benchmarking. Von der Konkurrenz lernen, die Konkurrenz überholen. Freiburg im Breisgau 1993.

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