Activity Based Costing

Die Kosten bei den Aktivitäten messen

Mitte der 80er Jahre propagierten die beiden Professoren Cooper und Kaplan von der Harvard Business School das Konzept des Activity Based Costing mit Unterstützung durch die National Association of Accountants (NAA). Es verbreitete sich dort schnell, und fand bei uns unter der Bezeichnung Prozesskostenrechnung schnell steigendes Interesse.

Activity Based Costing (ABC) enthält einen einfachen Grundgedanken. Es misst die Kosten dort, wo sie entstehen: bei den Aktivitäten.

Grundgedanke des ABC ist also die Zerlegung der Planungs-, Steuerungs- und Überwachungsaktivitäten in Teilprozesse und die Zuordnung der kostenstellenmäßigen erfassten Kostenarten zu diesen Teilprozessen.

Das Activity Based Costing wurde für die Frage weiterentwickelt: Für welchen Prozess (activity) lassen sich Prozessgrößen (Kostentreiber, cost driver) bestimmen, denen Anteile von Gemeinkosten verursachungsgerecht zugeordnet werden können? Damit ist das Activity Based Costing eine hervorragende Basis für ein effizientes Controlling.

Aufbau

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Bestimmung der Prozesse

Im Rahmen des ABC werden zunächst die Prozesse oder activities bestimmt, die in einer Kostenstelle ablaufen. Diese Prozesse umfassen alle repetitiven Tätigkeiten, die in den verschiedenen Kostenstellen oder Abteilungen eines Unternehmens bei der Ausführung der Aufgaben anfallen. Als Beispiele seien genannt: Bestellungen aufgeben, Angebote einholen, Material prüfen.

Wahl von Prozessgrößen

Nach der Identifizierung aller Prozesse einer Kostenstelle sind die Prozesse daraufhin zu überprüfen, ob sie abhängig oder unabhängig von der in der Kostenstelle erbrachten Leistung sind. Für die leistungsmengenabhängigen Prozesse werden sogenannte Prozessgrößen bestimmt, die nachher als Bezugsgröße für die Kosten dieses Prozesses dienen.

Die Kosten der leistungsmengenunabhängigen Prozesse (wie z.B. Abteilung leiten, Mitarbeiter beurteilen) werden innerhalb der Kostenstelle proportional zu den Kosten der einzelnen Prozessgröße verteilt. Prozessgrößen können bisher nicht vorhandene oder auch die in den traditionellen Kostenrechnungssystemen verwendeten Bezugsgrößen wie etwa Maschinenstunden oder Materialeinzelkosten sein, die sich proportional zur Ausbringungsmenge verhalten.

Festlegung der Prozessmengen und Prozesskosten

Prozessmengen sind die gezählten Arbeitsergebnisse wie etwa die Anzahl der Eingangsprüfungen, Anzahl der Rechnungen, Anzahl der Kundenaufträge, Anzahl der Materialprüfungen. Auf der Basis der Prozessmengen sind für jeden Prozess alle Kostenarten zu erfassen.

Anwendung als strategisches Entscheidungsinstrument

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Das Activity Based Costing leistet im Bereich strategischer Entscheidungen wie Preisfestsetzungen sowie bei der Planung, Steuerung und Kontrolle des Unternehmens einen wichtigen Beitrag. Anzuwenden ist das Activity Based Costing auch für Produktkalkulationen und bei Entscheidungen über Eigenfertigung oder Fremdbezug (make-or-buy-Entscheidung).

Der Nutzen des Activity Based Costing liegt im:

  • Erhöhen der Kostentransparenz in den indirekten Leistungsbereichen und damit objektivere Planung, Steuerung und Kontrolle der Gemeinkosten,
  • Sicherstellen eines effizienten Ressourcenverbrauchs (Wirtschaftlichkeitskontrolle),
  • Aufzeigen der Kapazitätsauslastung und damit Vermeiden strategischer Fehlentscheidungen,
  • Ermöglichen einer kostenstellenbezogenen und leistungsabhängigen Kostenplanung und Kostenkontrolle in den indirekten Leistungsbereichen,
  • Gewährleisten einer verursachungsgerechteren Kostenzurechnung,
  • Betreiben einer individuellen, auftragsbezogenen Preisbildung und damit im Festlegen gewinnoptimaler Absatz- bzw. Produktionsprogramme.

Vorteile

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Die Vorteile des Activity Based Costing liegen besonders in folgenden Wirkungen:

  • Verteilungseffekt
  • Die Zuordnung der Gemeinkosten auf die Kostenträger erfolgt unabhängig von den in der traditionellen Kostenrechnung angewandten Zuschlagssätzen. Die Gemeinkosten werden nach der Höhe der Inanspruchnahme betrieblicher Ressourcen verteilt. Aufgrund der Prozessgrößen werden die Gemeinkosten verursachungsgerecht verrechnet.
  • Komplexitätseffekt
  • Ein wichtiger kostenbestimmender Faktor im Activity Based Costing ist die Komplexität der Produkte. Je komplexer die Herstellung des Produktes, desto mehr werden von diesem Produkt Prozesse in Anspruch genommen, die Gemeinkosten verursachen. Bei der Zuschlagskalkulation in der traditionellen Kostenrechnung werden deshalb Produkte mit niedriger Komplexität zu teuer, Produkte mit hoher Komplexität zu günstig angeboten. Das Activity Based Costing beugt hier vor, um gravierende Fehlentscheidungen zu vermeiden.
  • Degressionseffekt
  • Bei der Zuschlagskalkulation in der traditionellen Kostenrechnung wird ein konstanter Gemeinkostensatz pro Stück verrechnet. Dies ist jedoch nicht richtig, da die Prozesskosten pro Stück mit steigenden Stückzahlen wie etwa bei Materialbestellungen abnehmen. Diese Kostendegressionseffekt werden im Activity Based Costing berücksichtigt.

Nachteile

Folgende Nachteile könnten gegen den Einsatz des Activity Based Costing sprechen:

  • Wirtschaftlichkeit
  • Ein großes Problem stellt die Wirtschaftlichkeit dar. Zum einen werden für die Einführung des Activity Based Costing Projektteams für die Interviews, die Kostenstellengliederung und die Identifikation der Prozessgrößen benötigt, zum anderen muss das Activity Based Costing in regelmäßigen Abständen auf die Realitätsnähe geprüft werden.
  • Definition und Erfassung von Prozessen und Prozessmengen
  • Teilweise ist es schwierig oder gar unmöglich, sinnvolle und zugleich kostengünstig messbare Prozessgrößen zu finden.
  • Verursachungsgerechte Zurechnung
  • Auch im Activity Based Costing lassen sich nicht alle Kosten verursachungsgerecht zurechnen. Um den Vollkostencharakter dieses Kostenrechnungssystems zu gewährleisten, müssen die leistungsmengenunabhängigen Kosten proportionalisiert werden. Dies führt zwangsläufig zu Verzerrungen, die durch die Vertreter der Teilkostenrechnung kritisiert werden.
  • Akzeptanz
  • Die Akzeptanz durch die Mitarbeiter kann fehlen, da diese sich ungern durch Zeit- und Kostenstandards kontrollieren lassen.

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