Bewerbungswege

Immer mehr Unternehmen folgen dem Trend der Onlinebewerbung- doch bedeutet dies gleichzeitig den Tod der postalischen Bewerbung?

Betrachtet man die Situation eines Bewerbers, dann fällt auf, wie verloren er sich im Irrgarten der Bewerbungsvarianten fühlen muss. Welches ist die einzig wahre, zum Erfolg führende Bewerbungsform? Die traditionell gehaltene Bewerbung per Post? Oder doch lieber die elektronische Variante? Aber welche von den vielen? Unkompliziert per Email, bequem per Onlineformular, oder modern per Onlinebewerbungshomepage?
Wer Fragen stellt braucht Antworten. So haben wir uns zur Aufgabe gemacht, dem Bewerber eine Hilfe zu sein. So wurden insgesamt 281 Unternehmen aus verschiedensten Branchen nach Ihrer Sicht der Dinge befragt, um fundierte und aussagekräftige Antworten zu liefern.

Was wird gefordert?

Es gibt unzählige Unternehmen in Deutschland, darunter große Konzerne, kleine Firmen und mittelständische Unternehmen. Doch so unterschiedlich die Möglichkeiten jedes einzelnen Unternehmens sind, es herrscht dennoch bei mehr als zwei Dritteln Einigkeit über die bevorzugte Form der Bewerbung. Für sie ist die Emailbewerbung das Maß aller Dinge! Damit schneidet sie der Postbewerbung, die bis vor wenigen Jahren die einzig mögliche
Bewerbungsform war, den Rang ab. Lediglich zehn Prozent der Unternehmen bevorzugen das Onlinebewerbungsformular.

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Die Gründe dafür sind schnell gefunden: Zum einen fallen bei sämtlichen
Onlinebewerbungsformen jegliche Kosten für Porto, Briefpapier und Umschläge für die Rücksendung der Bewerbungsunterlagen weg. Zum anderen wird viel Zeit gewonnen. Die Unterlagen müssen nicht mehr mit der Post zurückgesandt werden. Es genügt eine kurze Benachrichtigung über eine (automatische) allgemeingültige Standardmail. Des Weiteren müssen die eingehenden Bewerbungen nicht mehr bergeweise auf den Tischen gestapelt und zum Archivieren umständlich per Hand abgetippt oder eingescannt werden, sondern können leicht in einem Ordner abgelegt werden. Somit ist auch das Kopieren zur Vervielfältigung nicht länger von Nöten. Jeder Mitarbeiter kann so jederzeit auf die Dokumente zugreifen. Folglich wird der gesamte Prozess der Rekrutierung beschleunigt.
Warum aber klaffen die Ergebnisse zwischen Emailbewerbung und
Onlinebewerbungsformular so weit auseinander? Sicherlich spielt bei diesem Aspekt die Größe des Unternehmens eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Die Erarbeitung und Erstellung eines Bewerbungsformulars ist sehr aufwendig und kostenintensiv. Die Konsequenz daraus ist, dass Unternehmen mit vergleichbar geringem Umsatz sich ein aufwendiges IT-System nicht leisten können. Zudem stellt sich die Frage, ob ein solch kostspieliges System für eine geringe Anzahl an zu vergebenen Stellen überhaupt im optimalen Kosten-Nutzen-Verhältnis steht. Außerdem sind einige Onlinebewerbungsformulare recht starr gestaltet, sodass die Unternehmen keine Chance haben, den Bewerber durch seine individuelle Präsentation einschätzen und sich somit keinen ersten persönlichen Eindruck machen können.
Die Nachteile des Einen sind die Vorteile des Anderen. Nach diesem Leitfaden funktioniert die Postbewerbung. Sie ist zwar teurer, aufwendiger und zeitintensiver im Vergleich zu den moderneren Bewerbungsmöglichkeiten, jedoch bietet sie den Unternehmen den Vorteil, dass sich die Bewerber individueller und somit aussagekräftiger bewerben können.
Hierin liegt jedoch zugleich die Begründung, weshalb Unternehmen heutzutage die Emailbewerbung favorisieren - sie vereinigt die Vorteile der Onlinebewerbungsverfahren mit der traditionellen Postbewerbung, ohne hierbei gravierende Nachteile aufzuweisen.

Eindruck entscheidet

Doch erst nach Absenden der Bewerbung beginnt der eigentliche Entscheidungsprozess. Und dieser ist mühsam, denn das Durchlesen und Bewerten jeder einzelnen Bewerbungsmappe ist zeit- und nervenaufreibend. Zudem spielt die Psychologie dem Recruiter gerne einen Streich.
So werden die ersten und letzten Bewerbungen, gemäß des Primacy-/ Recency Effektes, besser erinnert als die übrigen. Ebenso werden prinzipiell Menschen, die als sympathisch empfunden werden, besser erinnert und eher bevorzugt als unsympathische. Aus diesen Gründen gingen einige Unternehmen dazu über, die Bewerberauswahl einem vollautomatisierten System in Form eines Formulars zu überlassen. Der Vorteil liegt darin, dass dieses System immer objektiv urteilt. Filterkriterien garantieren eine schnelle Negativauswahl und versenden zudem automatisch eine vorformulierte Absagemail. Dies bedeutet, dass der Recruiter lediglich die Bewerbungen, die vollständig den Kriterien entsprechen, bearbeiten muss.
Doch warum vertraut de facto lediglich rund ein Achtel der Unternehmen die Selektion der Bewerbungsunterlagen solch einem Formular an? Auch diese Frage konnte durch die Unternehmensbefragung geklärt werden. Der Mensch steht Gott sei Dank immer noch im Vordergrund. Natürlich spielen auch Arbeitszeugnisse, fachliche Qualifikationen, Praktika etc. eine wichtige Rolle. Entscheidungsfaktor ist und bleibt der Gesamteindruck.

Bewerber befragt

In der Regel muss sich ein Bewerber bei der Art seiner Bewerbung nach dem Geschmack des Unternehmens richten, sofern ihm dieser bekannt ist. Aber könnte es nicht auch sein, dass ein durchaus qualifizierter Bewerber vor einer bestimmten Bewerbungsform zurück schrickt und sich deshalb nicht bei diesem Unternehmen bewirbt? Ob dies nun tatsächlich der Fall ist oder nicht - allein aus Imagegründen sollte es sich für Unternehmen doch mal lohnen, zu schauen, welche Meinung die Bewerber zu diesem Thema haben. Aus diesem Grund wurden nicht nur Unternehmen sondern auch 226 Bewerber befragt. Und eines dabei ist sicher: Ihre Meinung stimmt nicht immer mit der der Unternehmen überein.
Obwohl sich 65,32% der Befragten bereits online beworben haben, bevorzugen dennoch über die Hälfte die postalische Bewerbung, gefolgt vom Onlinebewerbungsformular und zuletzt der Emailbewerbung.
Nichtsdestotrotz wurden die eindeutigen Vorteile, die eine Onlinebewerbung mit sich bringt, auch auf Bewerberseite erkannt. So sprach sich die große Mehrheit dazu aus, dass elektronische Bewerbungen in Bezug auf die Zeit und die Umgebung der Bearbeitung, schneller, flexibler und günstiger sind. Zudem können bei Onlinebewerbungsverfahren viele Fehler im Aufbau der Bewerbung umgangen werden, da hier der Ablauf vom Unternehmen vorgegeben wird.
Allerdings haben viele der Befragten auch das Gefühl, dass sie sich durch eine elektronische Bewerbung nicht so gut darstellen und somit von der Konkurrenz abheben können. Des Weiteren bietet die postalische Bewerbung immer noch ein Stück Sicherheit, da hier nicht der Überblick über verschiedenste Emailanhänge verloren werden kann.
Diese Bedenken können die schillernde Zukunft der Onlinebewerbungen jedoch nicht aufhalten - knapp 89% sprachen sich dafür aus, dass die traditionelle schriftliche Bewerbungsmappe von ihrer moderneren Konkurrenz in einigen Jahren vollkommen verdrängt sein wird.
Somit scheint die Postbewerbung, sowohl aus der Sicht der Unternehmen als auch der der Bewerber, vom Aussterben bedroht zu sein.

Quelle

Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit Yvonne Bröder und Maren Siller, Europa Fachhochschule Fresenius Köln, erstellt. Er basiert auf der Projektarbeit ,,Psychologische Implikationen von Onlinebewerbungsverfahren" von Yvonne Bröder, Birte Peters, Alina Lüssem, Veronika Schwab, Svenja Zierenberg und Maren Siller

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