3-dimensionale Revolution

„Jede Revolution war zuerst ein Gedanke im Kopf eines Menschen.“
Ralph Waldo Emerson, 25.05.1803 - 27.04.1882
Amerikanischer Dichter und Philosoph

Wenn Science-Fiction real wird

Die von Gene Roddenberry entwickelte Science-Fiction Serie „Star Trek“ dient Wissenschaftlern immer wieder als Ansporn und Inspiration. So startete die NASA 1998 eine Weltraumsonde mit Namen „Deep Space 1“. Eine Besonderheit dieser Sonde war ihr Ionenantrieb, der Fans der Serie Star Trek gut bekannt sein dürfte.
Eine andere Entwicklung aus dem Star Trek Universum scheint uns aber oftmals noch faszinierender: Der Replikator.
Dieses Gerät ermöglicht neben der Erzeugung von Nahrung auch die Produktion von Gegenständen und sogar von Organen. Sollten solche Replikatoren einmal Wirklichkeit werden, würde diese technische Entwicklung sicher eine gesellschaftliche Revolution auslösen.

Nun scheint auch diese Idee Roddenberrys langsam Wirklichkeit zu werden, die amerikanische Firma Desktop Factory hat für das Jahr 2008 den ersten 3D-Drucker für den Heimgebrauch angekündigt und innerhalb der nächsten vier Jahre sollen Modelle für unter 1000 US-$ folgen.

3D-Drucker versus Replikator

Von einem Replikator in Roddenberrys Sinne sind die heutigen 3D-Drucker noch weit entfernt. Bereits jetzt bieten sie jedoch eine Vielzahl von Möglichkeiten, die einzelne Bereiche unseres Alltages verändern könnten.
Die Idee der 3D-Drucker ist nicht neu, im Bereich des Rapid Prototyping werden schon seit den 1980er Jahren 3D-Drucker eingesetzt, um schnell aus Computerdaten Prototypen erstellen zu können. Dafür kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz, die sich besonders in der Art des verwendeten Materials unterscheiden. Neben Druckern die mit Gips oder Kunststoff arbeiten, sind auch Metalle oder Photopolymere möglich. Die aktuelle Entwicklung geht jedoch dahin, diese Technologie nun auch Heimanwendern und Kleingewerbetreibenden zugänglich zu machen. Das Projekt Fab@home, fabber ist die englische Bezeichnung für 3D-Drucker, stellt beispielsweise in einem Open Source Ansatz Bauanleitungen für 3D-Drucker im Internet frei zur Verfügung. Die dort engagierte Entwicklergemeinde entwickelt die Geräte laufend weiter und testet die unterschiedlichsten Anwendungsfälle. Besonders Berufsgruppen, die sich oftmals mit der Erstellung von Modellen beschäftigen, wie Designer oder Architekten, könnte diese Technologie einen echten Effizienzgewinn bedeuten.

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Heutzutage sind die Anwendungsfälle für den echten Heimanwender noch gering und eher spielerischer Natur. Ein fehlendes Rad für das Spielzeugauto wird hergestellt, ein neues Cover für das Handy, aber auch das zerbrochene Kupplungsteil des Staubsaugerschlauches kann jedermann mit den 3D-Druckern selber herstellen. Kommende Anwendungsgebiete werden im Spielwarenbereich erwartet. Hier sieht man bei Spielern so genannter Tabeltop-Spiele das größte Potential, da diese einen hohen Bedarf an großen Mengen kleiner Kunstoff-Figuren haben, eine optimale Zielgruppe für die 3D-Drucker.
Die Entwickler sind sich sicher, über diesen Hobbybereich können die 3D-Drucker den Einzug in private Haushalte finden und ihren Aktionsradius kontinuierlich erweitern. Ihnen wird eine ähnliche Entwicklung wie dem PC vorhergesagt, der ebenfalls zunächst ein Spielzeug für einige, wenige „Freaks“ war.

Doch wo bleibt die Revolution

Die eigentliche Revolution, die durch diese Technologie ausgelöst werden könnte, bezieht sich auf eine umfassende Änderungen der gesellschaftlichen Struktur. Mit der Industrialisierung wurde eine Zentralisierung der Gesellschaft eingeleitet, die dazu führte, dass immer mehr Menschen sich wenigen, großen Ballungszentren zuwandten, um dort spezialisierte Tätigkeiten auszuführen. Kleine, transportable und flexibel einsetzbare Produktionseinheiten könnten zu einer Umkehrung dieses Prozesses führen. Bereits heute sind die „Kopfarbeiter“ dank des Internets nicht mehr an einen festen Arbeitsplatz gebunden, könnte sich auch künftig die industrielle Produktion grundlegend verändern. Der 1944 in Sachsen geborene Begründer der „New-Work-Bewegung“ Frithjof Bergmann setzt in seiner Zukunftsvision auf diese Technologie.
Sein Modell der New-Work oder Neuen Arbeit baut zunächst auf seiner eignen Definition des Freiheitsbegriffes auf. Für Bergmann bedeutet Freiheit die Möglichkeit zu haben, etwas wirklich Wichtiges zu tun. Sein Modell soll Freiräume für Kreativität und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit bieten, daher möchte er insbesondere das derzeit vorherrschende Beschäftigungsmodell ändern, da dieses den Einzelnen, durch die Notwendigkeit Geld zu verdienen, daran hindert sich frei zu entfalten.

Bergmann erwartet eine Aufteilung der Arbeitszeit auf drei Bereiche. Die bisherige Erwerbsarbeit wird künftig nur noch ein Drittel der Arbeitszeit einnehmen, ein weiteres Drittel wird der Mensch für Arbeit aufwenden können zu der er sich berufen fühlt, die ihm Spaß macht. Das dritte Drittel investiert er in den Bereich der High Tech-Selbstversorgung, die es ihm ermöglichen soll sich, analog zur Subsistenzwirtschaft im landwirtschaftlichen Bereich, autark mit Gütern des täglichen Gebrauchs zu versorgen. Hier kommen die 3D-Drucker ins Spiel. Sie bieten die Technologie, die Basis einer solche gesellschaftliche Entwicklung sein könnte. Erste Arbeitsgruppen, die nach dem Bergmannschen Modell arbeiten gibt es bereits. Ob sie sich wirklich zu einem neuen Gesellschaftsmodell entwickeln können ist sicher fraglich, aber noch vor 40 Jahren behauptete Ken Olson, der Gründer von Digital Equipement noch: „Es gibt keinen Grund, warum irgend jemand in der Zukunft einen Computer bei sich zu Hause haben sollte."

Links und Literatur:

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