Die Stimmung zu Arbeitsbeginn entscheidet über Leistungsfähigkeit
Kennen Sie auch dieses Gefühl beim Aufstehen, das da ist, noch bevor Sie so richtig munter sind? Manchmal weist das innere Gefühlsbarometer grundlos nach unten und manchmal stehen alle Zeichen auf: "Heute wird ein guter Tag!"
Wenn Sie mit dem "richtigen Fuß" aufgestanden sind, ist ja die Welt in Ordnung. Aber was ist, wenn "inneres Regenwetter" angesagt ist? Tragen Sie dieses Gefühl auch unreflektiert mit durch Ihren Tag oder mit an Ihren Arbeitsplatz?
Die Stimmung, mit der Sie morgens den Tag beginnen oder zur Arbeit kommen, entscheidet viel mehr über Ihre Laune und Leistungsfähigkeit, als das, was Ihnen dann tagsüber aufs Gemüt schlägt.
Stimmprofis haben längst erkannt: Viele kleinen und rasch zu absolvierende Stimmaufwärm-Übungen leisten beste Dienste, um zum Beispiel privaten Ärger vor Arbeitsbeginn besser zu bewältigen. Willkommener Nebeneffekt: Die Stimme klingt besser und die Sprachverständlichkeit steigt.
Hintergrund der stimmungsverändernden Wirkung sind: Bewegung greift stark in den Botenstoff-Haushalt des Organismus ein. So wird etwa Adrenalin ausschliesslich durch Bewegung abgebaut.Die Klänge der eigenen Stimme beeinflussen die Gehirnaktivitäten in besonderem Maße. Neuronale Verschaltungen werden aktiviert, erhöhte Wachheit ist das Resultat.
Das gilt im übrigen nicht nur für die Leistungsfähigkeit im Beruf. Die nachfolgende Übung ist genauso gut für den ganz "normalen" Alltag geeignet.

Übungsbeispiel: Schütteln und Schnauben
- Sie suchen festen Stand.
- Sie schütteln Schultern, Arme, Lippen und Wangen aktiv aus.
- Sie schnauben dabei ungeniert - denken Sie an ein wildes Pferd auf der Weide, das sich gerade von einem unangenehmen Gefühl lösen will...
Stimmung beeinflußt Leistung
Die Stimmung, mit der Mitarbeiter morgens zur Arbeit kommen, entscheidet viel mehr über ihre Leistungsfähigkeit, als das, was ihnen dann tagsüber aufs Gemüt schlägt. Das berichten Nancy Rothbard und Steffanie Wilk von der Wharton Management School und der Ohio State University in einem Beitrag für "Knowledge at Wharton" (26.7.2006). Aus diesem Grund sollten die Unternehmen auch dafür Sorge tragen, mit welcher Stimmung ihre Mitarbeiter am Arbeitsplatz erscheinen.
In ihren Untersuchungen stellen Rothbard und Wilk fest, dass Menschen zwischen privatem und beruflichem Ärger nicht richtig unterscheiden. Deshalb drängen sich Stimmungen aus dem Privatleben ins Berufsleben hinein. Diese Grundstimmung (positive wie negative) kann dann durch Ereignisse am Arbeitsplatz verstärkt werden - zum Beispiel durch ein Kritikgespräch mit einem Vorgesetzten oder Beschwerden von Kunden.
Stimmung färbt Wahrnehmung
Für diese Befunde wurden Mitarbeiter von mehreren Call-Centern in den USA befragt. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen erschienen im Laufe des Tages immer wieder kurze Abfragen, wie ihre Stimmung gerade sei. Dabei mussten die Mitarbeiter auch angeben, wie sich die Kunden am Telefon verhielten: aggressiv, freundlich, frustriert oder beleidigend.
Die Ergebnisse der Befragung wurden mit Leistungskennzahlen der jeweiligen Mitarbeiter in Beziehung gesetzt. Wie zu erwarten, schlägt sich die Stimmung unmittelbar auf die Leistung nieder. Um die Ergebnisse miteinander vergleichen zu können, mussten sie die "von Natur aus" unterschiedlichen Temperamente der Mitarbeiter heraus filtern.
Danach zeigte sich unter anderem:
- Die Stimmung der Mitarbeiter wird entscheidend von der geprägt, mit der sie morgens zur Arbeit kommen.
- Wenn die Mitarbeiter den Eindruck hatten, dass ihre Gesprächspartner und Kunden in einer guten Stimmung waren, dann hellte sich auch ihre eigene Stimmung auf.
- Wenn die Gesprächspartner und Kunden in schlechter Stimmung waren, führte dies aber nicht zu einer Verschlechterung der Mitarbeiter-Stimmung.
- Allerdings ließen sich neue Mitarbeiter leichter von der schlechten Stimmung ihrer Kunden anstecken.
- Die Leistung der Mitarbeiter in guter Stimmung ist besser als die mit schlechter Stimmung.
Diese Ergebnisse sind nicht besonders überraschend, werden bei der Organisations- und Personalentwicklung einerseits und bei der Verbesserung der Servicequalität gegenüber Kunden andererseits aber kaum beachtet.
Autor
Mit freundlicher Genehmigung unseres Partners Arno Fischbacher
www.stimme.at, das Netzwerk der Stimmexperten.Arno Fischbacher ist Trainer für Stimme, Sprach- und Medien-Kommunikation, Vorstand und Inhaber der Plattform www.stimme.at. Autor des Buches "Geheimer Verführer Stimme" - 77 Fragen & Antworten zur unbewussten Macht in der Kommunikation (Junfermann-Verlag, Dez. 2008).
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